Kasematten österreichweit einzigartig

Kasematen

UNTERSUCHUNGEN ZEIGEN, DASS ES IN GANZ ÖSTERREICH KEINE VERGLEICHBARE ERHALTENE ANLAGE WIE DIE KASEMATTEN GIBT.

Expertinnen und Experten haben in den vergangenen Monaten in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt unter Landeskonservator Hofrat Dr. Hermann Fuchsberger und seinem Team bauhistorische und archäologische Untersuchungen der Kasematten und des Umfelds durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass es sich bei dieser Anlage in Wiener Neustadt um ein wohl österreichweit einzigartiges Architekturdenkmal handelt.

Die Stadtmauer mit einem der vier Ecktürme stammt aus der Zeit der Stadtgründung im späten 12. Jahrhundert. Sie ist im behandelten Bereich sowohl in ihrer ursprünglichen Substanz als auch mit den Aufzonungen aus dem zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts, aus dem späten 15. und aus der Mitte des 16. Jahrhunderts erhalten. Damit zeigt die Stadtmauer in diesem Abschnitt auf engstem Raum ihre komplexe Entstehungsgeschichte.

Außergewöhnlich ist vor allem die Tatsache, dass vor der südwestlichen Stadtmauer auch noch die Zwingermauer mit Zinnenabschluss aus dem frühen 13. Jahrhundert steht, die ein bedeutendes Dokument einer der frühesten Zwingerbefestigungen im deutschsprachigen Raum darstellt. Die hochmittelalterliche Fortifikation Wiener Neustadts ist somit an dieser Stelle besonders authentisch erhalten geblieben. Die räumliche Beengtheit eines Zwingers wäre durch die Freistellung der Anlage gut zu veranschaulichen.

1551 wurde vor der Stadtmauer eine Bastion errichtet, die aus einem Geschützhof zum Bestreichen der Mauer, aus der geböschten Flankenmauer der Bastion und dem Ansatz der geböschten Face bestand. Heute sind noch Reste davon vorhanden. Das renaissancezeitliche Bastionärssystem wurde in Wiener Neustadt nach dem Vobild Wiens konzipiert – in Wien sind jedoch keine derartigen Teile mehr erhalten.

Durch die Freistellung dieser Bauelemente könnte die Bastion erleb- und nachvollziehbar gemacht werden. In Kombination mit der dahinter befindliche Strada Coperta und den drei Röhren der Kasematten kann für die Besucherinnen und Besucher deren Funktionsweise völlig veranschaulicht werden.