Der Ungarnkönig Matthias Corvinus zog ab dem Jahr 1477 gegen den Habsburger Friedrich III. in den Krieg und begann in rascher Folge Städte und Märkte im nördlichen und südlichen Niederösterreich zu erobern. Nachdem 1485 auch Wien gefallen war, begann ein Jahr später die Belagerung der Kaiserresidenz Wiener Neustadt durch 20.000 Mann, die von Corvinus selbst befehligt wurden.

Die Wiener Neustädter verteidigten ihre Stadt äußerst tapfer. Da jedoch von den kaiserlichen Truppen keine Verstärkung eintraf, mussten sie schließlich am 17. August 1487 kapitulieren und den Ungarn die Stadttore öffnen.

Matthias Corvinus erwies sich als ritterlicher Sieger. Er respektierte die Rechte der Bürger, bestätigte ihre Privilegien und vermehrte diese sogar noch um einige neue. Zusätzlich machte er den „tapferen“ Wiener Neustädtern ein großes Geschenk – einen vergoldeten Silberpokal, den heutigen „Corvinusbecher“.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Pokal von den Architekten des „Wasserturms“ als Vorbild für die Gestaltung des Wahrzeichens genommen.

Der „Corvinusbecher“ ist bis heute der größte Schatz der Stadt Wiener Neustadt und ist im Stadtmuseum in einer Glasvitrine untergebracht. Ein Gemeinderatsbeschluss besagt, dass der Pokal niemals verkauft werden darf.

Um den „Corvinusbecher“ ranken sich einige Legenden. So soll früher nach jeder Ratsherrensitzung (Gemeinderat) aus dem Becher getrunken worden sein. Der letzte, der aus dem Becher Rotwein genossen hat, war angeblich Joseph Goebbels während der Nazi-Herrschaft.

Während der Bombenangriffe auf Wiener Neustadt war der „Corvinusbecher“ – sowie viele andere Schätze Österreichs – in den Stollen des Salzbergwerkes in Hallein in Sicherheit gebracht und kehrte erst nach dem Krieg in die „Allzeit Getreue“ zurück.